Weg mit dem Transsexuellengesetz (TSG) – Wir brauchen Gleichberechtigung und Selbstbestimmung!

Seit 1981 gibt es das Transsexuellengesetz (TSG). Und trotz dem es vom Bundesverfassungsgericht durch zahlreiche Urteile zu weiten Teilen als verfassungswidrig erklärt wurde, gibt es das Transsexuellengesetz immer noch!

30 Jahre – bis 2011 – hat es gebraucht, bis das bisher letzte Urteil des Bundesverfassungsgerichts die Zwangssterilisation beziehungsweise Zwangskastration abgeschafft hat, die bis dato zur Personenstandsänderung, also zum Ändern des Geschlechtseintrages, notwendig war!

Seit dem steht dieses menschenverachtende und vor allem menschenrechtsverletzende Nebengesetz zwischen uns Menschen mit Geschlechtsinkongruenz und den Menschen, die uns, aufgrund dieses zwangs- und fremdbestimmenden Gesetzes, als Perverse, als Kranke, als Psychopathen, als Freaks, als Randgruppe oder als Minderheit ansehen.

Wie war das, was stand da noch mal gleich in unserem Grundgesetz?

  1. Absatz 1:
    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
  2. Absatz 1:
    Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
  3. Absatz 1:
    Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

Liebe Politiker – völlig egal welcher Partei – kennt ihr das Grundgesetz?

Und dann kommt auf einmal das Bundesinnenministerium mit diesem “Referentenentwurf“, der das TSG ersetzen sollte und gibt uns, den Betroffenen, also denen, die es betrifft, gerade einmal zwei Tage (2 Tage) Zeit, um darauf zu reagieren und diesem Entwurf zuzustimmen oder Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Zu unserem Glück haben – ausnahmsweise – alle Betroffenen und alle Vereine die es betrifft zusammen gearbeitet und diesen Referentenentwurf in der Luft zerrissen. Vor allem kamen innerhalb kürzester Zeit und rechtzeitig, die benötigten 50.000 Gegenunterschriften zusammen, um diesen unsäglichen Versuch, uns mit Augenwischerei im Prinzip genau die gleiche Zwangsbegutachtung und das gleiche menschenrechtsverletzende Gebahren unterzujubeln, zu verhindern und in der Versenkung verschwinden zu lassen. Seit dem dümpelt dieser Entwurf, der nicht mal das Papier wert ist, auf dem er geschrieben wurde, in irgendeiner Schublade eines Politikers vor sich hin.

Warum, wagt es keiner dieser Politiker, sich mal mit uns Betroffenen an einen Tisch zu setzen und gemeinsam mit uns eine wirkliche Lösung auszuarbeiten? Dabei wäre das alles so einfach: Jede unserer Forderungen, jedes unserer Rechte, jeden unserer Wünsche könnte man ganz einfach und simpel in bereits bestehende Gesetze einarbeiten, ohne uns wieder einer Zwangsbegutachtung oder Fremdbestinmmung zu unterwerfen! Völlig egal ob es die Vornamens- und/oder Personenstandsänderung ist, Adoption, Kinder, Ehe, Offenbahrungsverbot oder was auch immer wir noch so fordern.

Wir fordern:

WEG MIT DEM TRANSSEXUELLENGESETZ!

Gebt uns endlich die gleichen Rechte! Gebt uns endlich die freie Selbstbestimmung! Gebt uns endlich unsere Achtung und unsere Würde zurück!!!

 

Gez. Christin Löhner

 

 

 

 

 

 

 

 

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Über Christin Löhner 116 Artikel
Christin Löhner ist selbst eine Frau mit transsexueller Vergangenheit. Vergangenheit deshalb, weil sie sämtliche Operationen hinter sich hat und ganz im weiblichen Körper angekommen ist. Sie ist die Gründerin und Leiterin der einzigen Selbsthilfeinitiative zum Thema Transsexualität im Bereich Hegau, Schwarzwald-Baar-Kreis, Allgäu und Bodenseekreis, der Trans* SHG Hegau. Sie ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. und begleitet und berät weit über hundert transsexuelle Menschen Deutschland weit mit Tipps und Infos zum Passing, zur Rechtslage, zum Transsexuellengesetz, den Operationen, sowie Mode- und Stilberatung und Makeup-Workshops. Durch ihre Arbeit und ihr soziales Engagement, ihre Vorträge und Seminare zum Thema geschlechtliche Vielfalt, Transsexualität, Transphobie, Toleranz, Mobbing und Diskriminierung an Unis, Schulen und sozialen Einrichtungen, versucht sie sich für ihre Mitbetroffenen einzusetzen und stemmt sich vehement gegen Ungerechtigkeit, Mobbing und Diskriminierung. Auch mit Dokumentationen im Fernsehen, Zeitungen und Radio setzt sie sich immer wieder für die Rechte von transsexuellen Menschen ein und klärt die Öffentlichkeit über dieses Thema auf. Bloggerin, Webentwicklerin, Linux- und Serveradmin, Coffee Junkie, Trans*Beraterin, Trans*Begleiterin, Transgender, Transfrau, MzF

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