Meine Autobiographie – Eine Vorschau und ein kleiner Einblick

Vermutlich haben es die meisten schon mitbekommen: Ich schreibe aktuell an meiner Autobiographie und hier möchte ich Dich, liebe*r Leser*in, natürlich dahingehend auch auf dem Laufenden halten.

Aktuell bin ich beim achten Kapitel angelangt und habe noch ca. 20 oder 25 Kapitel vor mir. Habe mir allerdings auch vorgenommen, ab jetzt wirklich jeden Tag mindestens ein Kapitel zu schreiben. Denn ich schiebe das schon viel zu lange vor mir her und habe bisher immer nur ab und an mal etwas rein geschrieben. Seit Mitte 2018 schreibe ich daran herum und komme kaum weiter. Das wird jetzt anders werden. Ich habe mir nun vorgenommen, bis spätestens Mai damit fertig zu werden.

Aber ich möchte Dir hier einmal eine kleine Kostprobe geben, damit Du weißt, was Dich erwartet:


Kapitel 5 – Brillo

Brillo“, so nannte man mich in diesem Internat in Wilhelmsdorf, in dem wir damals wohnten. Nicht als „Insassen“, sondern weil mein Vater dort Hausleiter eines der Internatshäuser war und meine Eltern beide Mathematiklehrer am dortigen Gymnasium waren.

Brillo war mein Name und man nannte mich so, nun, weil ich eine Brille trug – tragen musste. Ich hatte einen Augenfehler, eine Fehlstellung der Augen, ich schielte also. Zudem war ich kurzsichtig. Und so musste ich von klein auf eine Brille tragen, um diesen Sehfehler auszugleichen.

Nun kennt man das vielleicht auch selbst von der Schule: Ein Kind das eine Brille trägt ist immer die „Brillenschlange“ und wird beinahe automatisch schon zum Opfer von fiesen Mobbing Attacken.

Wenn dieses Kind dann auch noch hoch intelligent ist, gut in der Schule ist, von anderen als Streber angesehen wird, mehrere Musikinstrumente spielt, in seinem Verhalten auch noch etwas anders ist, nämlich sehr zurückgezogen, introvertiert, ohne Selbstbewusstsein und in seinen Bewegungen und dem was es tut einen leichten, weiblichen Touch hat, dann ist sowieso alles zu spät und es ist das perfekte Opfer. Natürlich war die Tatsache, das meine Eltern an dem Gymnasium auf das ich ging, auch selbst noch Mathematiklehrer waren, auch nicht gerade förderlich.

Das war Alex.

Alex war das perfekte Mobbing-Opfer, denn er wehrte sich auch nicht. Das konnte er nicht. Völlig egal, was mit ihm gemacht wurde, was ihm an den Kopf geworfen oder auch vorgeworfen wurde, er konnte sich dazu nicht äußern oder sich wehren.

Das zog sich durch mein gesamtes Leben, bis hin zu meinem Coming Out als transsexuelle Frau. Ich war so extrem introvertiert, so extrem in mich zurückgezogen, so verschlossen und so ohne jegliches Selbstbewusstsein, hatte eine riesige, kilometerdicke Mauer um mich herum aufgebaut, durch die niemand zu mir herein kam, durch die ich aber auch nicht mehr heraus kam. Das war so schlimm, das ich, egal was man mit mir tat oder was man mir vorwarf, einfach nur da saß, vor mich hin starrte und keinen Ton heraus brauchte.

Und so war es auch mit dem Mobbing in der Schule oder am Internat. Egal wer etwas zu mir sagte und auch egal was man zu mir sagte, es kam weder an mich heran, noch konnte ich darauf reagieren.

Man mag das vielleicht sogar ein kleines bisschen als Vorteil sehen, als Schutzmechanismus der tatsächlich auch sehr wirksam war. Ich wurde dadurch immer noch zurück gezogener, noch verschlossener, natürlich litten auch meine Schulnoten darunter, aber seelisch oder psychisch, machte mir das ganze Mobbing, die ganzen Probleme die ich auch mit mir selbst hatte, wenig aus, weil sie gar nicht bis zu meinem Innersten heran kamen. Selbst die Probleme die ich mit mir selbst hatte, ließ ich nicht an mich heran.

Ich war sieben Jahre alt, als ich in die Grundschule kam und elf Jahre, als ich dann auf das Gymnasium kam. Und obwohl ich immer ein Jahr älter und tatsächlich auch immer größer als die meisten meiner Klassenkameraden war, konnte ich mich nicht durchsetzen oder wehren. Ich reagierte nie und ließ einfach alles an mir abprallen. Ich beschäftigte mich viel zu sehr auch mit mir selbst, um irgendetwas anderes um mich herum mitzubekommen, selbst wenn es mich betraf.

Es gab da eine Szene an die ich mich sehr gut erinnere. Ich mag so um die 14 oder 15 Jahre alt gewesen sein.

Meine Eltern, mein anderthalb Jahre jüngerer Bruder Ansgar und mein 10 Jahre jüngerer Bruder Adrian und ich waren damals im Urlaub in Jugoslawien (Istrien). Es gab dort eine ausgeprägte Landzunge und eine große Meeresbucht, wo der Campingplatz war. In diesem Urlaub lernte ich Wasserski fahren (oder laufen?). Neben dem Campingplatz gab es eine Diskothek, wo Ansgar und ich ab und zu am Abend dann waren.

Eines Abends, wieder in dieser Disko, rempelte ich aus Versehen einen mindestens drei oder vier Jahre älteren Jugoslaven auf der Tanzfläche leicht an. Dieser beschwerte sich lautstark und drohte mir. Ich blieb ganz ruhig, entschuldigte mich und zog mich wie immer zurück. Ich saß den restlichen Abend nur noch am Rand und schaute den Tanzenden zu. Als es dann Zeit wurde zu gehen, zum Zelt und Wohnmobil zurück zu gehen, sah ich diesen Jugoslaven schon am Ausgang der Disko stehen, zusammen mit drei weiteren Freunden, alle etwa mindestens drei Jahre älter als ich.

Ich nahm meinen kleineren Bruder Ansgar auf die Seite und sagte ihm, das wenn irgendetwas wäre, er sofort Richtung Wohnmobil unserer Eltern losrennen sollte und ja nicht stehen bleiben sollte. So gingen wir dann zum Ausgang der Diskothek, hinaus auf den Parkplatz und wandten uns dann Richtung Campingplatz. Ich hörte, ohne mich umzudrehen, dass die vier Jugoslaven uns folgten. Plötzlich bekam ich einen Tritt in den Rücken, der mich taumeln ließ aber ich ging nicht zu Boden. Ich gab Ansgar einen Stoß und sagte nur “renn”, dann drehte ich mich um.

Die vier Jugoslaven begannen auf mich einzuschlagen und mich zu treten, bis ich irgendwann zu Boden ging. Auch da traten sie noch mehrmals auf mich ein, bis sie von mir ab ließen und abhauten.

Das Erschreckende für mich daran im Nachhinein war nicht so sehr die Brutalität der Jungen an diesem Abend, sondern die Tatsache, das ich einfach nur da stand und mich nicht gewehrt hatte. Ich stand da und kassierte die Prügel und Tritte ohne auch nur einen Mucks zu machen oder einen Ton zu sagen.

Dieses Erlebnis machte etwas mit mir, das, wäre es nicht passiert, mich meinen Weg zur Frau wohl schon zu diesem Zeitpunkt hätte starten lassen. Ich wurde zum Mann – oder zumindest versuchte ich ab diesem Zeitpunkt krampfhaft, dem Bild eines jungen Mannes zu entsprechen, obwohl ich innerlich immer wusste, das ich das nicht war, nicht sein wollte.

Ich begann exzessiv Sport zu treiben, trat dem Schulsportverein Wilhelmsdorf bei und verschrieb mich der Leichtathletik, dem 4-Kampf (100m-Sprint, Weitsprung, Hochsprung und Kugelstoßen). Ich machte Wettkämpfe mit und kassierte eine Medaille oder Urkunde nach der Anderen. Später im Alter von 17 Jahren wurde ich so sogar Deutscher Vize Meister im Hochsprung und Dritter im 100m-Sprint bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin.

[…….]

 

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Über Christin Löhner 114 Artikel
Christin Löhner ist selbst eine Frau mit transsexueller Vergangenheit. Vergangenheit deshalb, weil sie sämtliche Operationen hinter sich hat und ganz im weiblichen Körper angekommen ist. Sie ist die Gründerin und Leiterin der einzigen Selbsthilfeinitiative zum Thema Transsexualität im Bereich Hegau, Schwarzwald-Baar-Kreis, Allgäu und Bodenseekreis, der Trans* SHG Hegau. Sie ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. und begleitet und berät weit über hundert transsexuelle Menschen Deutschland weit mit Tipps und Infos zum Passing, zur Rechtslage, zum Transsexuellengesetz, den Operationen, sowie Mode- und Stilberatung und Makeup-Workshops. Durch ihre Arbeit und ihr soziales Engagement, ihre Vorträge und Seminare zum Thema geschlechtliche Vielfalt, Transsexualität, Transphobie, Toleranz, Mobbing und Diskriminierung an Unis, Schulen und sozialen Einrichtungen, versucht sie sich für ihre Mitbetroffenen einzusetzen und stemmt sich vehement gegen Ungerechtigkeit, Mobbing und Diskriminierung. Auch mit Dokumentationen im Fernsehen, Zeitungen und Radio setzt sie sich immer wieder für die Rechte von transsexuellen Menschen ein und klärt die Öffentlichkeit über dieses Thema auf. Bloggerin, Webentwicklerin, Linux- und Serveradmin, Coffee Junkie, Trans*Beraterin, Trans*Begleiterin, Transgender, Transfrau, MzF

5 Kommentare

  1. Auf einem deiner zahlreichen Accounts steht in deiner “Beschreibung“ #feminist in einer Aufzählung mit # bdsm #slave und #sub …wie geht das eigentlich zusammen ?
    Ist das jetzt eine verdrehte Vorstellung des modernen Feminismus einer TS mit Hang zur exzessiven Selbstdarstellung oder die Folge der im folgenden Buch beschriebenen schweren Kindheit?
    Das Bild das Du von Dir selbst erstellst wird für mich irgendwie immer unverständlicher. Mit weiblichen Verhaltensweisen hat das jedenfalls nicht wirklich viel zu tun.

    • Hallo Alexandra,

      jeder Deiner Kommentare bisher war überaus kritisch, ja teilweise sogar fast schon beleidigend. Wenn Dir nicht gefällt, was ich schreibe, dann lies es doch bitte einfach nicht und besuche andere Seiten.

      Woher nimmst Du Dir das Recht heraus definieren zu wollen, was weibliche Verhaltensweisen sind? Was macht Weiblichkeit aus? Woher nimmst Du Dir das Recht, mich als “verdreht” zu bezeichnen, oder auch als “TS” – was in dem Zusammenhang und in der Grammatik Deines Kommentars ebenfalls als negativ belastet herüber kam.

      Um aber Deine Frage trotzdem noch zu beantworten: BDSM im Allgemeinen und sogar auch die Tatsache das ich für meine*n geliebte*n Partner*in eine echte Sklavin sein möchte, hat doch rein absolut überhaupt gar nichts zu tun – und steht auch überhaupt nicht im Widerspruch damit – das ich trotzdem auch Feministin sein kann. Wenn Du nicht weißt, was BDSM – oder eine Sub/Sklavin im BDSM – ist, solltest Du Dich darüber auch nicht so überaus kritisch – und selbstgefällig – äußern.

      Wo steht geschrieben, das man sich einer geliebten Person nicht unterwerfen darf, wenn man Feministin sein will? Feministin zu sein heißt, sich für die Rechte des eigenen Geschlechts einsetzen zu wollen. Ich sehe es als mein Recht an, meine*m geliebten Partner*in dienlich und unterwürfig sein zu wollen. Und wenn Du wüsstest was es bedeutet, sich im BDSM eine*m Partner*in zu unterwerfen, dann wüsstest Du auch, das dies absolut rein gar nichts mit der Sklaverei zu tun hat, die Du anscheinend beim Schreiben Deines Kommentars im Kopf hattest. Eine Sub/Sklavin wird von ihrer*m Besitzer*in in alle Höhen gehoben, die ihr*ihm zur Verfügung stehen. Sie wird verwöhnt und behütet, beschützt und geliebt.

      Eine Sklavin zwingt man nicht auf die Knie. Man weckt in ihr das Verlangen sich für ihren Besitzer*in hin zu knien.

      Ich sehe es als generelles Recht für alle Frauen an – und dafür kämpfe ich als Feministin (unter anderem auch) – das sie von ihren*m Partnern*innen genau so behandelt und geliebt werden wie meine Partnerin mich liebt und behandelt, so dass sie auch dieses Bedürfnis spüren, ihre*n Partner*in zu verwöhnen und genau so zu lieben und zu dienen, wie ich es tue. Das ist Feminismus.

      Du siehst es offensichtlich als Dein Recht an, andere zu kritisieren, wo Du nur kannst. Auch das ist ein Recht für das Du einstehen kannst – und vermutlich in der nächsten Antwort von Dir auch wirst. Das ist Dein gutes Recht und dafür kann man einstehen. Wenn man das als generelles Recht für Frauen ansieht, bist Du Feministin.

      Christin

      • Du darfst von mir aus deinem Herrn dienen und dich ganz unterwerfen wenn Du möchtest. Wenn’s dir Spaß macht….. schnall das Hundehalsband nicht zu eng, vielleicht klappt’s dann auch mal irgendwann mit der weiblichen Stimme. Dein Blog gehört für mich trotzdem in die Fetisch Ecke. Du schadest Menschen die sich vernünftig über das Thema TS informieren möchten extrem indem Du deinen persönlichen sexuellen Fetisch damit vermischt und ein falsches Bild von Transsexualität vermittelst nur deiner Selbstdarstellung wegen.
        Ich kann damit leben aber kannst Du es auch wenn sich Menschen deinetwegen einer Operation unterziehen die sie später bereuen weil sie aufgrund von Nichtakzeptanz gescheitert sind ?

        • Du hast überhaupt kein Recht, über mich zu urteilen, über meine Arbeit und über meine sexuellen Vorlieben oder Fetische. Du hast absolut kein recht dazu. Denn nichts anderes tust Du hier. Du urteilst über mich und meine Arbeit. Du kennst weder mich noch meine Arbeit und vor allem kennst Du nicht mein Leben, was ich erlebt habe und was mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin.

          Mir einen sexuellen Fetisch und damit verbundene Selbstdarstellung vorzuwerfen, ohne zu wissen, warum ich so bin wie ich bin, DAS ist verdreht und unmenschlich. Und noch viel verwerflicher ist es, mir Unfähigkeit bei meiner Arbeit vorzuwerfen, wenn Du nicht einmal eben Diese kennst. Ganz davon abgesehen, gehe ich in meiner Selbsthilfegruppe sicherlich nicht mit meiner Unterwürfigkeit hausieren.

          Das aber gerade dieser sexuelle Fetisch, dieses devot sein, dieses Unterwürfige aus meinen Erlebnissen und aus meiner Transsexualität heraus entstanden ist, das ist Dir sicher egal.

          Ich glaube nicht daran und wage es schon gar nicht zu hoffen, Dich ändern zu können oder Deine Meinung, Dein Urteil über mich ändern zu können. Aber sollte es Dich interessieren, warum ich so bin, wie ich bin und wieso dieses Unterwürfige, diese devote Ader aus meiner Transsexualität herrührt, dann solltest Du vielleicht meine Seite mit den Erinnerungen lesen. Vorallem die Stellen, die mit Trigger-Warnungen rot markiert sind. (https://www.r3y.de/kindheitserinnerungen/)

          Habe die Ehre.

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